Der häufigste Einwand, wenn das Thema Private Markets auf den Tisch kommt, lautet sinngemäß: „Mein Geld ist dann jahrelang gebunden. Das kommt nicht infrage.“
Dieser Einwand ist verständlich. Er ist auch berechtigt – für einen Teil des Vermögens. Aber er verdeckt etwas, das für langfristig orientierte Anleger relevant ist: Illiquidität ist nicht nur ein Nachteil. Sie ist eine Renditequelle.
Warum Märkte Illiquidität bezahlen
Finanzmärkte funktionieren nach einem einfachen Prinzip: Anleger, die auf etwas verzichten, werden dafür entschädigt. Wer auf Sicherheit verzichtet, erhält eine Risikoprämie. Wer auf Bonität verzichtet, erhält einen Zinsaufschlag. Und wer auf kurzfristige Verfügbarkeit verzichtet, erhält eine Illiquiditätsprämie.
Diese Prämie ist real und messbar. Studien zeigen, dass Private-Equity-Fonds auf langen Zeiträumen im Median mehrere Prozentpunkte pro Jahr über vergleichbaren börsennotierten Unternehmen liegen. Ein Teil dieser Mehrrendite geht auf besseres Management zurück – ein anderer Teil ist strukturell: Er entsteht, weil Anleger für die Aufgabe ihrer täglichen Verfügbarkeit kompensiert werden.
Das Missverständnis um „gebundenes Geld“
„Mein Geld ist weg“ stimmt so nicht. Gebundenes Kapital ist nicht verloren – es arbeitet. Der Unterschied zur Börsenanlage ist nicht das Risiko des Verlusts, sondern der Verzicht auf jederzeitige Verfügbarkeit.
Stellen Sie sich vor, Sie legen Kapital für sieben Jahre in einen Infrastrukturfonds an, der Windparks oder Glasfasernetze finanziert. Das Kapital ist investiert, erwirtschaftet Erträge, wird entwickelt und am Ende des Laufzeitraums zurückgeführt. Es ist nicht weg – es ist gebunden.
Diese Bindung ist tragbar, wenn das Gesamtvermögen ausreichend strukturiert ist. Wer 600.000 Euro investierbar hat und 100.000 Euro davon für sieben Jahre bindet, verfügt noch immer über 500.000 Euro an liquiden Mitteln.
Was Illiquidität nicht bedeutet
Ein wichtiger Hinweis: Illiquidität bedeutet nicht automatisch Sicherheit. Ein schlecht konstruierter Private-Debt-Fonds kann Kapital verlieren, auch wenn er nicht täglich bewertet wird. Das fehlende Kurssignal erzeugt eine optische Ruhe, die keine tatsächliche Stabilität ist.
Das ist einer der entscheidenden Unterschiede, den Anleger verstehen sollten: Seltene Bewertung ist nicht dasselbe wie geringes Risiko. Wer Private-Markets-Produkte kauft, weil die Kurve im Portfolio „ruhig“ aussieht, hat das Prinzip nicht verstanden.
Illiquidität als bewusste Entscheidung
Gut strukturierte Anleger unterscheiden in ihrem Vermögen zwischen verschiedenen Schichten: einer liquiden Reserve für kurzfristigen Bedarf, einem mittel- bis langfristigen Kernportfolio aus Aktien und Anleihen – und einem langfristigen Baustein, der auf Illiquidität setzt, weil er es kann.
Dieser dritte Baustein ist nicht für jeden sinnvoll. Er ist nicht für jedes Vermögen geeignet. Und er ist nicht der erste Schritt, sondern einer der letzten – wenn das Fundament steht.
Wer ihn aber bewusst wählt und die strukturellen Voraussetzungen erfüllt, kauft damit etwas, das an der Börse nicht zu haben ist: eine systematische Prämie für Geduld.











