Wer sich mit dem Thema Kauf bzw. Invest in Erneuerbare Energie-Projekte beschäftigt, wird in der Regel auch über das Thema Finanzierung nachdenken und mit verschiedenen Fragestellungen in diesem Zusammenhang in Berührung kommen. Kann man das finanzieren? Macht das meine Hausbank? Unter welchen Bedingungen? Und nicht zuletzt, zu welchen Konditionen oder rechnet sich das dann noch?
Diese Fragen zu beantworten ist aber unter Umständen gar nicht so einfach. Denn es gilt hier zunächst ganz verschiedene Invest-Ansätze zu unterscheiden. Angefangen von der Frage, ob man in eine Photovoltaik-Anlage oder einen Batteriespeicher investieren will. Ob man dies als Privatperson zum Eigennutz oder als Investor mit einer Gewinnerzielungsabsicht tun möchte. Auch kommt es auf die Größe des Invests bzw. Projekts, die Eigentumsanteile sowie das Konzept an. Nicht zuletzt wird die Unterscheidung auch anders ausfallen, wenn sich ein IAB-Investor, also jemand der mittels des sogenannten Investitionsabzugsbetrags (IAB) eine Steuerlast in eine Invest-Liquidität wandeln möchte, diese Frage stellt oder ein Kapitalanleger.
Daher gilt es zunächst einmal die verschiedenen Investitions-Ausgangssituationen zu unterscheiden:
- Privatperson mit der Zielrichtung Eigennutz / Autarkie
- IAB-Investor ohne Eigennutz
- Kapitalanleger (auch Institutionelle Anleger sowie Privatpersonen)
Privatperson
Während die Privatperson die Entscheidung zum Invest in eine Photovoltaik-Anlage in der Regel hauptsächlich zur Eigennutzung des Stroms im eigenen Haus betrachtet, spielen gänzlich andere Faktoren hier eine Rolle. Oft bleibt es nicht bei einer reinen Photovoltaik-Anlage, mittlerweile wird meist bereits ein „kleiner“ Speicher und immer öfter auch eine Wallbox installiert. Auch spielt das Thema Heizungsart des Hauses, Stichwort Wärmepumpe, eine Rolle. Am Ende geht es darum, sich von den doch stets steigenden bzw. zumindest hohen Energiekosten autark zu machen. Die Rechnung erfolgt also zunächst über das Einsparpotential. Während es früher noch hohe EEG-Vergütungen gab und der Strom der privaten Photovoltaik-Anlagen voll ins Netz eingespeist wurde, sind die heutigen Einspeisevergütungen von ca. sieben bis neun Cent pro kWh in diesem Bereich nicht mehr die Hauptmotivation. Die Rechnung lautet hier, jede selbst produzierte und selbst genutzte kWh kostet mich nicht mehr 30 Cent pro kWh oder mehr. Die Optimierung des Eigenverbrauchs steht also im Vordergrund und macht hier die Rechnung auch vergleichsweise einfach. Der eigene Stromverbrauch sowie die bisherigen Kosten sind bekannt. Das Einsparpotential pro kWh lässt sich sofort beziffern und dürfte sich mit den Jahren steigern, da der Strompreis eher steigt, als sinkt. Die Unsicherheit liegt hier lediglich in der Eigenverbrauchsquote, die man in der Regel mit einem Speicher versucht zu optimieren. Und so wird es mittlerweile auch von der Politik gesehen. Bereits im Strategiepapier der Bundesregierung bzw. der Bundeswirtschaftsministerin Reiche im Herbst 2025 zum Monitoring-Bericht wurde die Einspeisevergütung für Privathaushalte ab 2027 in Frage gestellt, da die EEG-Vergütung aus Steuermitteln finanziert wird und hier die Optimierung des Eigenverbrauchs, also die Einsparung als ausreichende Hauptmotivation gesehen wird, die nicht noch zusätzlich mit Steuermitteln gefördert werden muss.

Kann man als Privatperson solch ein Invest finanzieren und lohnt sich das? Da in der Regel das Eigenheim zumindest teilfinanziert ist und auch die Investhöhe sich in der Regel im niedrigen bis maximal mittleren fünfstelligen Bereich bewegt, erfolgt die Finanzierung oft über die Hausbank. Diese kennt den „Investor“, also den Eigentümer des Hauses, kennt dessen Bonität, kennt das Haus, hat in der Regel eine Grundschuld eingetragen, also bereits eine Sicherheit und kann so schnell über einen Modernisierungs- oder auch einen Blankokredit eine Finanzierung anbieten. Auch belaufen sich die monatlichen Raten aufgrund der Höhe des Invests in vergleichsweise moderaten Höhen, sodass solche Kredite oft unproblematisch abgewickelt werden können. Ebenso spielt das Regionalitätsprinzip der Banken hier keine Rolle, da sowohl der Kunde, wie auch das Haus bzw. die Photovoltaik-Anlage sich im Geschäftsgebiet der Bank befinden oder zumindest schon eine Kundenbeziehung besteht.
IAB-Investor
Bei den anderen beiden Investoren-Gruppen stellen sich dagegen ganz andere Herausforderungen bzgl. der Renditeberechnung aber auch in Bezug auf die Finanzierungsmöglichkeiten. Die Hauptmotivation zum Invest kommt beim IAB-Investor oder dem Kapitalanleger nicht aus dem Eigennutz, sondern liegt in einer Rendite-Kalkulation.

Es ist also hauptsächlich eine Kosten-Nutzen-Rechnung. Während dem Privatinvestor, der sich von hohen Energiekosten autark machen möchte, vielleicht nicht ganz so wichtig ist, ob sich das Invest in neun, zwölf oder 14 Jahren rechnet, da er ja ohnehin keine sonstigen Alternativen dazu hat – denn wie sonst kann er sich von den hohen Energiekosten unabhängiger machen – hat der IAB-Investor oder Kapitalanleger eine breite Auswahl an Alternativ-Optionen. Daher spielen hier ganz andere Gesichtspunkte eine Rolle. Welchen Aufwand muss ich betreiben? Wie sicher ist mein Investment? Kann ich mein Investment überhaupt finanzieren? Mit welchem Fremdkapitalanteil? Etc.. Das Thema „Ich möchte in ein grünes Investment investieren“ kommt daher erst nachrangig ins Spiel, was insofern auch nachvollziehbar ist, da die wenigsten es als ihre Aufgabe ansehen, mit ihrem persönlichen Geld etwas zu finanzieren, von dem Sie keinen Vorteil oder Eigennutz haben und sie ein Investment Risiko tragen, ohne dabei positive Erträge zu erwirtschaften. Der Chancen-Risiko-Berechnung kommt hier also eine hohe Bedeutung zu. Auch wird dadurch die Steuerungsfunktion der Politik klar. In der Regel schafft die Politik Anreize in Bereichen, die der Staat fördern möchte, um dadurch Investitionen Dritter zu fördern. Bei Erneuerbarer Energie-Projekte wurde dieser Invest-Anreiz u.a. durch den Investitionsabzugsbetrag (IAB) sowie durch hohe Sonderabschreibungsmöglichkeiten und den Investitions-Booster geschaffen, sodass der Investor Steuern in Liquidität für Investitionen wandeln kann.
Da der IAB-Investor also ohne den Eigennutz „nur“ die Rendite als relevanten Faktor bei diesem Investment hat, sind die Themen Finanzierung, Fremdkapitalhebel, Zinssatz aber auch Risikobetrachtung viel relevanter. Und hier hat sich einiges geändert. Während es früher zum einen hohe EEG-Vergütungen gab, die dann auch noch auf eine extreme Niedrigzinsphase traf und es wenig Minusstunden am Strommarkt gab, war die Rechnung früher oft einfach. Wenngleich natürlich auch der Markt ein anderer und auch damals nicht gänzlich ohne Risiko war. Doch auch bei den Banken war das Thema leichter zu finanzieren. Die sogenannte Bankability, also Finanzierungsfähigkeit des Invests, war für die Bank leichter zu berechnen. Die EEG-Vergütung diente als Basisszenario und Sicherheit, dass die Einnahmen über 20 Jahre gesichert sind. Wenn hier noch eine gute Bonität des Investors gegeben war, konnte eine Bank eine Finanzierung anbieten. Was jedoch nicht heißt, dass dies jede Bank gemacht hat. Hier kam oft das Thema Regionalitätsprinzip ins Spiel. Wenn weder der Kunde noch das Investment-Asset im Geschäftsgebiet der Bank lag, war eine Finanzierung auch damals meist nicht möglich. Dazu kam, dass viele Banken dieses Invest grundsätzlich nicht finanzieren wollten, da die Erneuerbare Energie-Projekte aus Bankensicht gänzlich andere Risiken birgen. So kamen Themen wie Versicherungsschutz, Brandschutz, Vandalismus, Diebstahl, Ausfallrisiken wegen sonstiger Reparaturen und vor allem auch die Eigentumsverhältnisse bzgl. des Grund und Bodens, auf welchem die Projekte gebaut wurden, auf. So ist es im Bereich der Erneuerbare Energie-Projekte nahezu Standard, dass der Grund und Boden, also sowohl bei Aufdach-Installationen wie auch auf Freiflächen, nicht dem Investor gehört, sondern lediglich gepachtet wird. Die Bewertung der Banken wurde und wird dann noch schwieriger, wenn es sich um große Projekte handelt, die anteilig an verschiedene Investoren verkauft werden. Jetzt braucht es einen Verwalter. Darüber hinaus gibt es Teile des Projekts, die allen gehören und wiederum Teile, die dem einzelnen Investor zuzuordnen sind. So kommen Fragestellungen wie: „Wie verhält sich die Einnahmensituation, wenn ein Wechselrichter eines Investors einen Defekt hat und die Anlage dadurch insgesamt weniger Stom produziert?“ auf. „Erhalten dann alle weniger oder ist der Ausfall auf einen Investor begrenzt und die anderen erhalten volle Erträge?“. Denn letztlich geht es bei diesen Investments um die Rendite bzw. für die Banken um die Einnahmensicherheit. Und auch, wenn in Deutschland die Begriffe Rendite, Gewinn, Investor, u.ä. teilweise gesellschaftlich in Verruf sind, ist dies hier sogar vom Gesetzgeber und den Gerichten genau so gefordert. Ein IAB-Investment wird nur als solches anerkannt, wenn es eine Gewinnerzielungsabsicht gibt bzw. diese klar im Businesscase ersichtlich ist. Auch wäre die Energiewende ohne die vielen privaten Investoren kaum zu schaffen.
In den letzten Jahren hat sich jedoch beim Thema Finanzierung von Erneuerbare Energieprojekte vieles geändert, insbesondere hat sich die Einnahmen-Zinssituation umgekehrt. Die Niedrigzinsphase ist seit 2022/2023 zu ende. Die EEG-Vergütungssätze sind seit Ihrer Einführung immer weiter gesunken und die Minusstunden am Spotmarkt haben sich in den letzten zehn Jahren verzehnfacht. Dadurch hat sich auch die gesetzliche Situation im Bezug auf die EEG-Vergütung verändert bzw. verschärft. So wurde der §51 EEG in den letzten Jahren mehrfach geändert, sodass aktuell keine EEG-Vergütung gezahlt wird, sofern es zu einem Zeitpunkt am Tag einen negativen Strompreis am Spotmarkt gibt. In Summe haben diese komplett veränderten Vorzeichen sowohl bei den Investoren, vor allem aber bei den Banken zu einer gänzlich anderen Betrachtung geführt. So haben manche Banken beispielsweise die Finanzierung von aufgeteilten Anlagen gänzlich eingestellt und andere beschränken sich wieder auf das Regionalitätsprinzip. Insgesamt wird die Einnahmensituation von Erneuerbare Energie-Projekten kritischer gesehen und der Bonität des Kunden mehr Gewicht gegeben. Beim Bereich Speicher zeigt sich, dass sich die Banken noch schwerer tun. So ist es zwar logisch, dass Photovoltaik-Anlagen nun mit Speichern ausgestattet werden (müssen) und dass die steigende Volatilität im Strommarkt zwingend auch Batteriespeicher benötigt, doch gibt es bislang wenig Erfahrungswerte, wie ertragsreich diese Projekte sind. Das größere Problem für die Banken ist vor allem die langfristige Betrachtung. So gibt es das Bedenken, dass ein steigender Ausbau von Speichern dazu führt, dass die Margen und somit die Rentabilität sinken. (red. Hinweis: zum Thema reine Batteriespeicher-Projekte wird es einen gesonderten Artikel geben)
Um die Frage zu beantworten, ob man Erneuerbare Energie-Projekte noch finanzieren kann und ob sich das noch lohnt, muss man im Bereich der IAB-Investoren ein differenziertes Fazit ziehen. Hier passt die Standardphrase der Banker: „Es kommt drauf an!“. Es kann hierzu keine Pauschalaussage geben. Ein entscheidender Faktor liegt vor allem im Konzept des Projekts und insbesondere in der Flexibilität, sich den stets verändernden Faktoren bestmöglich anpassen zu können. Soll heißen, die Möglichkeit Minusstunden beispielsweise mit Speicher abzufangen und mit einem entsprechenden Vermarkter intelligent vermarkten zu können. Oder bei Speicher-Projekten sämtliche Marktmechanismen nutzen zu können, also vom Arbitrage-Handel über Regelenergie bis hin zum virtuellen Handel. Ein weiterer wichtiger Faktor liegt im zuverlässigen Betrieb bzw. der Verwaltung und Wartung.
Kapitalanleger
Der Kapitalanleger, sei es ein großer institutioneller oder eine Privatperson, hat wiederum zumindest in Teilen einen anderen Ansatz. Institutionelle Anleger, Fonds, Versicherung, Rentenkassen, etc., investieren oft mit Barmitteln, oft aus den laufenden Einnahmen. Hier spielen die Themen ESG, Nachhaltigkeit aber auch Diversifizierung eine Rolle. Auch sind Themen wie Exit-Szenarien nicht ganz unwichtig. Das Thema Finanzierung spielt dagegen oft weniger eine Rolle. Die Rendite muss daher nicht ganz so hoch sein, da oft auch keine Finanzierung abgedeckt werden muss. Dafür kommen Themen wie schneller Return on Invest sowie Sicherheit und Stabilität in den Vordergrund. Je nach Ansatz bzw. Grund des Invests seitens der Kapitalanleger spielt die Überzeugung von Erneuerbare Energie-Projekten eine kleinere oder größere Rolle. Gleichzeitig stehen die Investments hier wieder in Konkurrenz zu anderen Asstes bzw. Investments. Das höhere Risiko im Betrieb und die Abnutzung des Wirtschaftsguts müssen sich in einer höheren Rendite widerspiegeln. Die Anleihe, das Rentenpapier, der Aktienmarkt mit Fonds, ETFs, Immobilien, sonstige unternehmerische Beteiligungen stehen hier in Konkurrenz und werden zum Vergleich herangezogen. Die Finanzierung spielt hier eher eine untergeordnete Rolle.
Fazit
Im Ergebnis zeigt sich, dass man die Frage nach der Finanzierbarkeit schwerlich mit einem pauschalen Ja oder Nein beantworten kann. Es bedarf einer Differenzierung hinsichtlich der verschiedenen Investoren-Gruppen und der damit unterschiedlichen Motivation oder Zielrichtung des Invests. Während steigende Strompreise, CO2-Bepreisung, energetische Optimierungen bei Privatinvestoren mit Eigennutz das Invest begünstigen, könnte man bei den IAB-Investoren hingegen sagen, dass die veränderten Vorzeichen eine genauere Prüfung und Beratung benötigen. Die Kapitalanleger wiederum haben nochmals einen anderen Fokus und eine andere Ausgangslage. Faktisch werden jährlich jedoch mehrere Milliarden in Erneuerbare Energie-Projekte investiert. Insbesondere im Bereich der institutionellen Investoren ist dieses Asset weiterhin ein „must-have“. Und um das Invest in diesem Markt für interessierte Investoren besser verständlich zu machen, werden weitere Artikel folgen.









