Im ersten Teil der IST-Analyse zum deutschen Strommarkt habe ich zum einen ein paar Aussagen einer kritische Stimme der aktuellen Energie- und Klimapolitik, Dr. Fritz Vahrenholt, sowie die Auswirkungen und Risiken des Wandels im Strommarkt kurz beleuchtet. Der Wandel vom statischen zum dynamischen Strommarkt ist seit ca. 10 Jahren im vollen Gange und nimmt immer mehr Dynamik an.

In diesem zweiten Teil, möchten ich nun ein Blick auf die daraus resultierenden Chancen werfen. Denn in der Regel entstehen aus Risiken auch neue Chancen.

Chancen

Die mittlerweile grundgesetzlich verankerte Klimaneutralität der Bundesrepublik hat zur Folge, dass am Ausbau der Erneuerbaren Energien nicht gerüttelt wird. Im Gegenteil. Wie Wirtschaftsministerin Reiche zuletzt mit Blick auf den Monitoring Bericht mitteilte, hält die Bundesregierung am Ausbau der Erneuerbaren Energien fest. Das nächste Ziel ist ein 80%iger Anteil Erneuerbare Energie bis 2030. Photovoltaik und Windkraft bleibt somit weiterhin ein starker Wachstumsmarkt, in den auch institutionelle Anleger weiterhin im Milliardenbereich investieren, was auch in Studien und Analysen verschiedener Gesellschaften wie z.b. Enervis und Aurora ausgeführt wird.

Es ist jedoch zu konstatieren, dass die Volatilitäten im Stromnetz stark zugenommen haben. Dies hat zur Folge, dass zum einen die gesetzlichen Regelungen, wie z.B. das EEG und darin u.a. spezielle die Regelungen zur EEG-Vergütung (§51 EEG), immer wieder angepasst wurden und werden. Im Ergebnis so, dass die garantierten Vergütungen immer weiter eingeschränkt werden. Dies erscheint zwar zunächst unattraktiv, ist aber nur konsequent, da hier große Ineffizienzen mit Steuergeld gefördert wurden. Es reicht also nicht mehr „einfach nur“ Paneele aufzustellen und anzuschließen. Nein, es bedarf nun eines Konzeptes. Und hier liegt die Chance für Innovationen. So werden neue Photovoltaik- und Windkraftprojekte vermehrt mit Speicher ausgestattet werden, wodurch sie mehr Flexibilität und Steuerungsmöglichkeiten in der Vermarktung des produzierten Stroms erlangen. Insgesamt erwächst durch die Veränderung im Strommarkt die Notwendigkeit, dass Projekte so geplant sind, dass sie sich möglichst vielen Veränderungen am Strommarkt anpassen können.

Durch die weiter steigende Volatilität entsteht auch mehr Preisvolatilität. Dies bedeutet auch größere Arbitrage-Chancen sowie einen wachsenden Bedarf an Speicher, regelbarer Erzeuger, Laststeuerung und Netzverstärkung. Diese Chancen wollen viele nutzen, was sich auch am Markt durch eine stark angestiegene Anzahl von Anfragen für Speicher zeigt. Die Einsatzgebiete von Batteriespeichern umfassen Grünstromspeicher, die den grün produzierten Strom von Photovoltaik-Anlagen, Windkrafträdern u.a. erneuerbaren Energieerzeugern teilweise und kurzfristig zwischenspeichern, sowie zentrale Großbatteriespeicher, die direkt an das Netz angeschlossen werden, bis hin zu Ansätzen von Cloud- und Schwarmspeichern, die aus einer Vielzahl von kleinen Speichermodulen, welche an einer Vielzahl von Standorten ans Netz angeschlossen werden, virtuell zu einem Großspeicher zusammengefasst werden sollen.

Fazit

Der Strommarkt ist hoch komplex und befindet sich in einem starken Wandel. Dies birgt Risiken, aber auch Chancen. Für Investoren ist es jedoch unerlässlich sich dieser Chancen und Risiken bewusst zu werden. Investoren sollten daher zum einen immer eine gewisse Resilienz mitbringen. Investments in Erneuerbare Energien haben (stark) schwankende Einnahmen. Dies liegt in der Natur des Investments, da sich die Einnahmen eben nach den Begebenheiten eines jeden Tages richten und saisonal deutliche Unterschiede bestehen. Kurz gesagt, eine Immobilie, eine vermietete Wohnung erbringt im Januar und August die gleiche Miete. Ein Investment in eine Photovoltaik-Anlage, ein Windkraftrad oder einen Batteriespeicher wird vermutlich während seiner Laufzeit nicht ein einziges Mal den gleichen Monatsertrag einbringen, da die Sonne im Winter viel weniger, kürzer und schwächer scheint, als im Sommer und sich auch der Wind keinen „Fahrplan“ hat.

Dadurch ist man gut beraten, wenn man als Investor einen gewissen (finanziellen) Puffer zum Überbrücken der Schwankungen oder auch für unvorhergesehene Ausfälle oder Verzögerungen in der Projektierung mitbringt. Wer bei so einem schwankenden Investment auf die letzte Kante gerechnet hat, wird früher oder später unruhige Nächte haben.

Beides heißt nicht, dass solch ein Investment nicht lukrativ ist. Mit den richtigen Projekten, der richtigen Vorbereitung und Einstellung, gepaart mit den steuerlichen Vorteilen, ist solch ein Investment absolut attraktiv. Wieso werden sonst Milliarden in diesem Bereich investiert?

Der Markt ist groß, die Angebote vielfältig. Eine gute Beratung wird immer wichtiger, gleichzeitig ist es natürlich schwierig „gute“ Anbieter / Vermittler von „schlechten“ zu unterscheiden. Mit der nun begonnen Reihe möchte ich Sie Stück für Stück über die verschiedenen Investment-Möglichkeiten informieren und Ihnen Hintergrundinformationen geben, die Sie bei Ihrer Entscheidungsfindung unterstützen können.

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Volker Emmert
Volker Emmert verbindet langjährige Erfahrung in verantwortungsvollen Positionen des öffentlichen Dienstes mit seiner heutigen Spezialisierung im Bereich der Beratung und Vermittlung von innovativen PV- und Speicher-Investments. Nach seinem Abschluss als Diplom-Verwaltungswirt (FH) im gehobenen Polizeivollzugsdienst war er in leitenden und strategischen Funktionen unter anderem im Innenministerium Baden-Württemberg und beim Polizeipräsidium Mannheim tätig, wo er Projekte von hoher gesellschaftlicher und sicherheitsrelevanter Bedeutung betreute. Mitte 2022 gründete er die VE Consulting & Projektentwicklung mit dem Ziel, innovative und nachhaltige Lösungen im Bereich erneuerbarer Energien zu fördern. Dabei setzt er auf höchste Qualitätsstandards, langfristige Zuverlässigkeit und vertrauensvolle Partnerschaften. Seine Fähigkeit, komplexe Projekte strukturiert und lösungsorientiert zu steuern, ist heute die Basis für maßgeschneiderte Investmentkonzepte im Photovoltaik- und Speicherbereich.