Wer sich mit dem Thema Photovoltaik, Batteriespeicher oder dem Thema erneuerbaren Energien generell beschäftigt, muss sich auch ein paar Grundkenntnisse zum Energiemarkt in Deutschland und Europa aneignen. Viele Interessenten und Investoren kommen nicht zuletzt aufgrund steuerlicher Anreize zu diesem Thema, sind aber gänzlich fachfremd. Spätestens hier greift jedoch die alte Investoren Weisheit „Investiere niemals in etwas, das du nicht verstehst!“. Daher möchte ich Sie mit diesem ersten Artikel auf eine Reise in den Energiemarkt mitnehmen. In weiteren Artikeln werde ich das Thema vertiefen und um spezifische Fragestellungen u.a. zu Photovoltaik, Batteriespeicher und den Investitionsabzugsbetrag, kurz IAB, ergänzen.
Beginnen wir mit einem Blick in die jüngere Vergangenheit. Wo kommen wir her, wo stehen wir aktuell? In den…
- 1990er dominierte Kohle (Braun+Stein) und Kernkraft die Stromerzeugung. Erneuerbare Energien waren kaum relevant und machten nur ein paar Prozent aus.
- 2000er wurde der Ausbau von Wind und Biomasse stärker. Die Kernkraft und Kohle waren jedoch weiterhin die Eckpfeiler in der Stromerzeugung und Versorgung.
- 2010er gab es einen starken Zubau von Wind & Photovoltaik (EEG-Effekt). Der Anteil Erneuerbarer wuchs deutlich, während zugleich – nach der Katastrophe von Fukushima im Jahr 2011 – der politische Beschluss zum Atomausstieg aus der Atomkraft getroffen wurde und der schrittweise Kohleausstieg geplant wurde.
- 2020er bis heute wurde die ökologische Wende in Deutschland ausgerufen, die Kernkraft wurde abgeschaltet und verstärkend wurde inzwischen die Klimaneutralität für Deutschland im Grundgesetz verankert. Je nach Messart liegt der Anteil der Erneuerbaren Energien inzwischen zwischen 50 und 60 %. Aus fossilen Energieträgern wird der Strom in Deutschland noch aus Kohle und Gas gewonnen.

Risiken der Transformation im Strommarkt
Der ökologische Umbau der Stromversorgung in Deutschland bietet einerseits große Chancen, birgt aber auch Risiken, die politisch gerne übersehen werden oder oft unter ideologischen Gesichtspunkten weggelassen werden. Eine ehrliche Auseinandersetzung ist jedoch in jedermanns Interesse, denn nur so können die Probleme identifiziert und vor allem auch adressiert und angegriffen respektive gelöst werden.
Wer Chancen und Risiken kennen will, kommt nicht umher sich auch Argumente beider Seiten anzuhören. Ein – aus meiner Sicht – interessanter Kritiker der aktuellen Energie- und Klimapolitik ist Dr. Fritz Vahrenholt. Als studierter und promovierter Chemiker, Buchautor, Manager und ehemaliger Umweltsenator von Hamburg (SPD), hat er also einen wissenschaftlichen Hintergrund und kennt sich aufgrund seiner Positionen sowohl in der freien Wirtschaft wie auch der Politik aus. Mit einem Hintergrund von der SPD können ihm auch keine politischen Extreme unterstellt werden, wie es heutzutage häufig der Fall ist. Man kann ihm als eine gewisse Rundumsicht unterstellen, die eine breite Sichtweise bietet.
Mit Blick auf die Transformation der deutschen Energieversorgung hin zu 100% erneuerbarer sagt Dr. Vahrenholt: „…die aktuelle deutsche Energiepolitik ist wirtschaftlich schädlich, klimatisch ineffektiv und technisch riskant. Statt einseitigem „moralischem Vorreitersein“ brauche es realistische, technologieoffene Lösungen – insbesondere ein mögliches Comeback der Kernenergie sowie Planung nach globalen Fakten statt Ideologie.“.
Folgen und Status quo
Die Strompreise in Deutschland sind deutlich gestiegen. So ist ein deutlicher Anstieg seit 1990 vor allem durch Netzentgelte, Steuern, Umlagen (EEG/CO₂-Kosten) und zuletzt aufgrund der Energiekrise-Effekte zu verzeichnen. „Die Gründe sind größtenteils hausgemacht. Die hohen Kosten birgen Gefahr für die Industrie und somit auch für die Wirtschaft und die Bevölkerung aufgrund von möglicher Abwanderung und Verlagerung mit der Folge von Arbeitsplatzverlusten, Mindereinnahmen von Steuern und Verlust von Wirtschaftskraft.“ so Vahrenholt.
Deutschland ist vom Strom-Exporteur zum Strom Importeur geworden. Wobei man hier etwas differenzierter hinschauen muss. Der hohe Anteil von Erneuerbaren Energien erhöht die Netzinstabilität sowie die Möglichkeit eines Blackouts.
Die Netzbetreiber haben aktuell
- im Sommer mit Überproduktion von Solarstrom, der nicht regelbar ist (Dächer ohne Steuerung) und
im Winter mit Dunkelflauten (kein Wind, keine Sonne)
zu kämpfen.
Das Grundproblem ist, dass Verbraucher und Produzenten jederzeit im Gleichgewicht bleiben müssen. Der Unplanbarkeit von Stromspitzen, beispielsweise durch Windböen oder sprunghaftem Anstieg der Solar Produktion, steht das Problem, dass die Abnahme nicht gleichzeitig spontan erhöht werden kann, gegenüber.

Dies führt zu Netzinstabilitäten, da z.B. auch Kurzzeitspeicher nicht in ausreichendem Maß vorhanden sind. In der Folge müssen Netzbetreiber eingreifen und sogenannte Redispatch-Maßnahmen ergreifen. Die Entwicklung der Zahlen zeigt, wie stark sich die Zahl der Netzeingriffe erhöht hat bzw. das Volumen gestiegen ist.
| Jahr | Netzengpass-Volumen (gerundet) | Relation |
| 2000 | ≈ < 0,1 TWh | Basiswert = 1 (nahezu vernachlässigbar) |
| 2010 | ≈ 1 TWh | rund 10-fach höher als 2000 |
| 2020 | ≈ 20–25 TWh | etwa 20–25 fach zu 2010 bzw. 200–250 fach zu 2000 |
| 2023 | ≈ 34 TWh | nochmals +35 % ggü. 2020, mehr als 300 fach zu 2000 |
| 2024 | ≈ 22,8 TWh | −30 % ggü. 2023,
aber weiterhin mehr als 200 fach zu 2000 |
Ergänzend ist zu konstatieren, dass neben den Eingriffen, also Abschaltungen von Windkrafträdern, Photovoltaik-Anlagen, etc., der überschüssige Strom im Netz auch Abnehmer benötigt. So wird beispielsweise der Strom ins Ausland verkauft, wobei der Begriff „verkauft“ hier irreführend ist. Bei negativen Strompreisen, die im Übrigen in den Jahren 2024 und 2025 jeweils ein neues Hoch erzielt hatten, wird der Strom nicht mit Gewinn verkauft, sondern zu negativen Preisen.

D.h. für die Abnahme erhält der Käufer bzw. Abnehmer noch zusätzlich Geld. Doch auch das Ausland hat nicht zwingend mehr Abnehmer / Verbraucher, nur weil in Deutschland gerade die Sonne scheint oder der Wind weht. In der Folge muss auch das Ausland Verbraucher schaffen. Österreich z.B. hat hier die Möglichkeit seine Wasserkraftwerke zu aktivieren. So wird mit dem überschüssigen Strom aus Deutschland Wasser aus dem Tal in die höher Gelegenen Berg- / Stauseen gepumpt. Hierfür erhält der Abnehmer zusätzlich noch Geld, da er den Strom zu negativen Preisen einkauft. Und abends, wenn in Deutschland die Sonner untergangen ist und die Stromproduktion aus den erneuerbaren Energien sich stark reduziert hat, wird das Wasser der österreichischen Berg- / Stauseen wieder durch Turbinen abgelassen und der daraus produzierte Strom an Deutschland zurück verkauft. In Summe entstanden z.B. im Jahr 2023 ca. 2,26 Milliarden Euro Kosten für den Nettostromimport vom Ausland nach Deutschland.
Stay tuned! To be continued…
Soweit zum Status quo, den Risiken und Folgen des Wandels im Strommarkt von Deutschland. Jedoch getreu dem Motto „jede Medaille hat zwei Seiten“, möchte ich in Teil II des Artikels auch auf die daraus resultierenden Chancen eingehen.
Insofern: Stay tuned! To be continued…







