Leitzins stagniert – Bauzins leicht steigend
Frankfurt am Main, 04.09.2025 – Allen Anzeichen zufolge bleibt die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihrer konservativen Haltung. Wie im Umfeld des Direktoriums bekannt wird, soll es am 11. September keine Bewegung beim Leitzins geben. So warnt Isabel Schnabel davor, die Zinsen weiter zu senken. Mit einer Vorgabe von 2,0 % befinde man sich bereits in einer lockeren Geldpolitik. Marktteilnehmer werten das als Signal für Stabilität, das gegen andere Kräfte wie Zollpolitik, hohe Staatsausgaben und weitere internationalen Entwicklungen wirken soll.
Auch die Teuerungsrate im Euroraum spricht für mehr Stabilität. So hat sich die Inflation von Juli auf August von 2,0% auf 2,1% leicht erhöht. Bekanntlich ist die Preissteigerung eine wichtigste Kennzahl für die Zinspolitik der EZB. Der Einschätzung von Isabel Schnabel zufolge sei es eher wahrscheinlich, dass der Preisdruck kurzfristig weiter steige, was die Beibehaltung des Leitzinses rechtfertige.
Demgegenüber steht die Beobachtung auf dem echten Bauzinsmarkt. Bisher zeigt die lang anhaltende Leitzinssenkung seit Anfang 2025 nur wenig Wirkung auf Anleihen und Pfandbriefe. Die Baufinanzierung liegt, je nach Beleihung, bei 3,5% bis über 4,0%. Offensichtlich ist die Ruhe an der Zinsfront vorbei. Nachdem sich die Konditionen für Baufinanzierungen wochenlang eher seitwärts bewegt hatten, ist seit dem Sommer eine leichte Aufwärtsbewegung spürbar.
Das schlägt sich sogar bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) nieder, die sowohl im Programm 261, als auch beim Wohneigentumsprogramm die Zinsen erhöht hat.
Schlagabtausch in Washington: Trump droht und poltert
Fed. Beim Blick über den Atlantik, in die USA, darf man staunen. Donald Trump hat seine Drohungen wahr gemacht und Fed-Gouverneurin Lisa Cook „mit sofortiger Wirkung“ entlassen – ein in der Geschichte der amerikanischen Notenbank beispielloses Szenario. Trumps Vorhaltung: Cook habe in Hypothekenunterlagen falsche Angaben gemacht. Die Ökonomin, die 2022 ins Führungsgremium berufen wurde, weist das entschieden zurück. „Es gibt keinen rechtlichen Grund für meine Entlassung“, kontert sie durch ihre Anwälte – und zeigt sich nicht gewillt, freiwillig ihren Stuhl zu räumen.
Was hier gespielt wird, ist weit mehr als juristisches Taktieren. Trump will mit allen Mitteln niedrigere Zinsen durchsetzen. Seit Beginn seiner Amtszeit fordert er aggressivere Zinssenkungen und macht Fed-Chef Jerome Powell regelmäßig Druck. Der Angriff auf Cook ist ein kalkulierter Seitenhieb: Gelingt es Trump, sie durch einen Loyalisten zu ersetzen, hätte er eine Mehrheit im siebenköpfigen Fed-Gouverneursrat. Ein solcher Verlust an Autonomie könnte die Kreditkosten weltweit in die Höhe treiben und auch das Finanzsystem in Europa belasten. Für den Zinsmarkt hierzulande könnte das durchaus Erschütterungen nach sich ziehen: Eine schwächere, politisch beeinflussbare Zentralbank in den USA würde das internationale Kapital verunsichern und die globale Zinsdynamik verändern.
Weiter ungewisse Zeiten
Sowohl die politisch unkalkulierbare Situation in den USA als auch die restriktive Haltung der EZB lassen in nächster Zukunft nicht auf günstigere Zinsen hoffen, zumal sich dieses Jahr zeigt, dass sich Leitzins und Bauzins nicht im Gleichlauf befinden, sondern sogar konträre Richtungen einschlagen können.
Drum prüfe, wer sich l a n g e bindet …
Angesichts der aktuellen Zinslandschaft und der unsicheren Entwicklung an den Anleihemärkten ist es für Anleger und Verbraucher weiterhin entscheidend, Finanzprodukte intensiv zu vergleichen. Neben den geldpolitischen Entscheidungen der EZB beeinflussen auch die Notierungen von Anleihen maßgeblich die Entwicklung der Bauzinsen. Eine detaillierte Marktanalyse und individuelle Beratung bleiben unerlässlich, um von den aktuellen Konditionen optimal zu profitieren und sich gegen potenzielle zukünftige Volatilität abzusichern.








