ZinsUpdate 2025-10
Frankfurt am Main, 02.10.2025 – Die deutsche Industrie kämpft an verschiedenen Fronten: Steigende Energiekosten, schwaches Wachstum und zunehmender internationaler Wettbewerb bringen die Wirtschaft unter Druck. Das gilt auch für Gesamt-Europa. Während die deutsche Regierung um den Haushalt und Reformen ringt, warnt der ehemalige EZB-Präsident Mario Draghi vor einem „wirtschaftspolitischen Stillstand“ in der EU. Ein Jahr nach seinen umfassenden Reformvorschlägen seien kaum Fortschritte erzielt worden, wodurch die EU riskiere, im internationalen Wettbewerb weiter zurückzufallen.
Besonders kritisch sieht Draghi die wachsende Anlehnung Europas an andere Player. Bei der Verteidigung sei Europa stark auf die Nato angewiesen, was sich bereits in ungleichen Handelsvereinbarungen gezeigt habe. Gleichzeitig verhindere die Abhängigkeit von asiatischen Rohstoffen wie Lithium oder Seltenen Erden, dass der Westen konsequent auf wettbewerbsverzerrende Subventionen anderer Staaten reagieren könne. Diese geopolitischen Abhängigkeit verhindere eine starke und selbstbewusste europäische Haltung.
Steigende Bauzinsen?
Beim Vergleich der Notenbankpolitik stößt man auf unterschiedliche Sichtweisen, was sich in der Höhe der Leitzinsen niederschlägt. Wie im letzten Update vermutet, blieb der Rat in seiner vergangenen Sitzung stabil. Aber während die Europäische Zentralbank (EZB) mit 2,0 Prozent beinahe am unteren Ende ihres Zinszyklus angekommen ist, könnte die US-Notenbank Fed weitere Zinssenkungen anstreben – ein klarer Wettbewerbsvorteil für die Weltleitwährung, die mit 4 Prozent über deutlich mehr Handlungsspielraum verfügt.
Für Anleger in Deutschland zeigt sich ein gemischtes Bild. Die Tagesgeldzinsen sind in den vergangenen Monaten gesunken und liegen derzeit durchschnittlich bei knapp 1,3 Prozent. Anders entwickeln sich die langfristigen Kapitalmarktzinsen. Durch steigende Staatsausgaben und höhere Schulden sind die Zinsen für Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit auf 2,74 Prozent gestiegen.
Parallel dazu klettern auch – wie letzten Monat angekündigt – die Bauzinsen, die im Schnitt bei 3,69 Prozent – je nach Beleihungsauslauf – für zehnjährige Darlehen liegen. Ein weiterer Anstieg ist hier zu befürchten.
Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hat bei den Neubauförderprogrammen „Klimafreundlicher Neubau (KFN)“ und „Klimafreundlicher Neubau im Niedrigpreissegment (KNN)“ attraktivere Zinskonditionen gestaltet.
Immobilienpreise stabil?
Zwar haben sich die Immobilienpreise in den letzten Wochen stabilisiert, aber für den Markt wäre eine Korrektur durchaus wünschenswert. Nach dem hier gegebenen Überblick muss die Frage gestattet sein, wer die Neubaupreis zahlen soll, wer bekommt noch ein Darlehen zu welchen Konditionen, welche Banken gehen mit ins Risiko? Zunehmend scheinen die Kreditinstitute zurückhaltender, sofern nicht ausgezeichnete Bonität und hoher Einsatz von Eigenkapital nachweisbar sind.
Drum prüfe, wer sich l a n g e bindet …
Angesichts der aktuellen Zinslandschaft und der unsicheren Entwicklung an den Anleihemärkten ist es für unsere Mandanten weiterhin entscheidend, Finanzprodukte intensiv zu vergleichen. Neben den geldpolitischen Entscheidungen der EZB beeinflussen auch die Notierungen von Anleihen maßgeblich die Entwicklung der Bauzinsen. Eine detaillierte Marktanalyse und individuelle Beratung bleiben unerlässlich, um von den aktuellen Konditionen optimal zu profitieren und sich gegen potenzielle zukünftige Volatilität abzusichern.








