BauFiCompendium
+ Sondertilgung: Was ist das?
+ Grundregeln
+ Ist Sondertilgung immer sinnvoll?
+ Was also tun?
Viele Bauherren bzw. Investoren haben in ihren Darlehensverträgen eine Sondertilgung vereinbart, meist zwischen 5 und 10 Prozent. Dieses Detail tritt bei den Vertragsverhandlungen mit der Bank oft in den Hintergrund, weil beim Kauf oder dem Neubau zahlreiche andere Entscheidungen zu treffen sind. Später, während der Vertragslaufzeit, wird die Möglichkeit der Sondertilgung schlichtweg vergessen, wenn der Berater nicht daran erinnert. Dabei birgt die Sondertilgung ein enormes Einsparpotential.
Sondertilgung: Was ist das?
Sondertilgung ist das Recht des Kreditnehmers, zusätzliche Zahlungen über die vertraglich vereinbarte monatliche Rate hinaus zu leisten. Diese Option wird meistens bei langfristigen Krediten wie Baufinanzierungen vereinbart, gilt aber auch bei Ratenkrediten.
Wichtig: Das Geld fließt direkt in die Reduzierung der Restschuld – und nicht in Zinsen. Deshalb spricht man auch vom „Turbogang“ bei der Darlehensrückzahlung. Die Sondertilgung beschleunigt die Rückführung des Darlehens, indem sie die Restschuld reduziert; und damit die Laufzeit und die Gesamtzinslast des Darlehens.
Wichtige Grundregeln bei der Sondertilgung
+ Die Höhe der möglichen Sondertilgung wird meist in Prozent des ursprünglichen Darlehens ausgedrückt. (Es gibt seltene Verträge, bei denen die SoTi als feste Summe vereinbart wird).
Beispiel: Bei einer Darlehenssumme von 100.000 EUR und einer Sondertilgung von 5 Prozent darf der Darlehensnehmer während der Zinsbindung jährlich 5.000 EUR tilgen
Das heißt, die Höhe der Sondertilgung bleibt – unabhängig von der Restschuld – gleich. Der Darlehensnehmer kann also auch im siebten Jahr noch die vereinbarte Summe zurückzahlen.
+ Aber: die Leistung einer Sondertilgung führt nicht zu einer Reduzierung der Rate! Sondern zur Reduzierung der Laufzeit des Darlehens, also den Zeitpunkt, zu dem die Schuld vollständig zurückgezahlt ist. (Diese Vereinbarung kann man allerdings bei Ratenkrediten treffen)
+ Die Höhe der Sondertilgung ist eine „bis-zu“-Grenze. Im obigen Beispiel: Die Darlehensnehmer dürfen 2.000 Euro, oder auch 4.500 EUR einzahlen, jedoch die 5.000 EUR nicht überschreiten. Übrigens: Je höher die Zahlung, desto wirksamer der „Turbogang“.
+ Sondertilgungen sind nur einmalig pro Kalenderjahr vorgesehen, und zwar in einer Summe. Im obigen Beispiel: Sie dürfen nicht fünf mal 1.000 EUR zahlen, oder zwei mal 2.500 EUR. Die Zahlung kann auch nicht wieder zurückerstattet werden. Beispiel: Wird also im Januar bereits eine Sondertilgung von 1.000 EUR bezahlt, kann während des gesamten Kalenderjahres keine weitere Sonderzahlung geleistet werden.
Das ist wichtig für die Planung! Es führt dazu, dass sich die Überlegungen meist bis ans Jahresende schieben, wo klar wird, wieviel Budget der Finanzplan hergibt, um eine möglichst hohe Sondertilgung zu leisten.
Aber: Ist Sondertilgung immer sinnvoll?
Nein! Hier ist die Antwort klar: Eine Sondertilgung in ein bestehendes Darlehen ist nicht immer und in jeder Situation sinnvoll!
Warum: Es kommt auf die Zinssituation insgesamt an. Beispiel: In der Niedrigzinsphase von 2018 bis 2023 wurden Darlehen mit sehr niedrigen Zinsen abgeschlossen. Warum sollte man ein solches Darlehen tilgen, wenn am Geldmarkt gerade vier Prozent Guthabenzinsen angeboten werden. Und zwar für kurze Laufzeiten oder im Geldmarktfonds, der jederzeit verfügbar ist. Man würde freiwillig auf Liquidität verzichten und weniger Zinsen sparen, als man auf der anderen Seite erhält.
Weiteres Beispiel aus des Sicht des Finanzplaners: Angenommen, die Darlehensnehmer wissen, dass bald ein neues Auto fällig wird. Anstatt zu tilgen und 3 Prozent zu sparen, setzt man den Tilgungsbetrag besser beim Autokauf ein, um dort die zur Zeit teuren Zinsen von fünf bis sechs Prozent auf Ratenkredite einzusparen.
Was also tun?
Bewährt hat sich, einen festen Termin am Jahresende einzutragen, bei dem man sich – idealerweise zusammen mit dem zuständigen Berater oder dem ehemaligen Darlehensvermittler – darüber informiert, wie die aktuelle Zinssituation und die persönliche Liquidität aussieht, um eine durchdachte Entscheidung herbeizuführen.









