ZinsUpdate 2026-09
Gegen den anhaltenden Teuerungsdruck reagiert die Europäische Zentralbank mit einer weiteren Straffung ihrer Geldpolitik. Auf ihrer Auswärtssitzung in Berlin hob der EZB-Rat alle drei Leitzinsen um jeweils 25 Basispunkte an.
+ Einstimmiger Beschluss auf Berliner Tagung
+ Inflationsausblick
+ Deutsche Bundesbank befürwortet den Kurs
+ Politischer und historischer Rahmen
+ Bauzinsen steigen (ungebremst?)
Frankfurt am Main, 17.09.2026. Die europäischen Währungshüter fällten ihren Beschluss am 9. und 10. September ohne Gegenstimmen. Hauptgrund für den Schritt ist das anhaltend hohe Preisniveau im Euroraum, das insbesondere durch die angespannte geopolitische Lage sowie weiter steigende Energiekosten angeheizt wird. EZB-Präsidentin Christine Lagarde bekräftigte im Anschluss den Kurs der Notenbank: Das vorrangige Ziel bleibe es, die Teuerungsrate mittelfristig und nachhaltig auf das angestrebte Zwei-Prozent-Ziel zurückzuführen.
Geldpolitische Entscheidung und Inflationsausblick
Im August noch hat die Inflation im Euroraum wie erwartet weiter angezogen. Nach vorläufigen Eurostat-Daten stieg die HVPI-Inflationsrate von 2,9 % im Juli auf 3,3 % im August und liegt damit seit sechs Monaten über dem EZB-Ziel von 2 %. Haupttreiber waren die deutlich gestiegenen Energiepreise, deren Teuerungsrate 14,3 Prozent erreichte. Gleichzeitig blieb die Kerninflation mit 2,4 Prozent zwar leicht unter dem Vormonatswert von 2,5 Prozent, verharrt damit aber weiterhin über dem Preisstabilitätsziel. Neben der Energieentwicklung zeichnet sich zunehmend ein weiterer Preistreiber ab: Die Trockenheit und schlechte Ernten haben zahlreiche Agrarrohstoffe verteuert. Dies zeigt sich bereits in den Preisen für unverarbeitete Lebensmittel, die im August stärker stiegen als noch im Juli.
Die neu gefassten Prognosen der EZB verdeutlichen jetzt die Härte der Herausforderung. Die Experten rechnen für das Jahr 2026 nun mit einer Inflationsrate von 3,0 Prozent. Für 2027 wird ein Rückgang auf 2,5 Prozent erwartet, bevor sich die Teuerung 2028 voraussichtlich bei 2,1 Prozent einpendeln dürfte. Damit verharrt der Preisauftrieb länger über dem Zielwert als bisher angenommen. Die Gesamtwirtschaft zeigt sich unterdessen vergleichsweise widerstandsfähig: Für das laufende Jahr 2026 wird ein Reallohn- und BIP-Wachstum von 0,9 Prozent prognostiziert, gefolgt von Ausweitungen um 1,4 Prozent (2027) sowie 1,5 Prozent (2028).
Auch in den USA stehen wichtige Konjunkturdaten im Fokus. Die erwarteten ADP-Beschäftigungsdaten zeigen Hinweise auf einen sich abflachenden Trend. Die Analysten der Helaba rechnen mit einer Seitwärtsbewegung und damit mit einem weiterhin wenig dynamischen Arbeitsmarkt. Ergänzend lieferte das Beige Book der US-Notenbank Einblicke in die wirtschaftliche Entwicklung der einzelnen Fed-Distrikte. Das sind wichtige Hinweise auf den weiteren geldpolitischen Kurs.
Bundesbank befürwortet Kurs – Weitere Schritte datenabhängig
Bundesbankpräsident Joachim Nagel trug die Anhebung explizit mit und schloss auch eine künftig noch straffere Ausrichtung nicht aus. Ob und in welchem Umfang weitere Zinsanhebungen notwendig werden, hänge jedoch maßgeblich von den kommenden Daten – insbesondere der Entfaltung der Energiepreise und der allgemeinen Preisdynamik – ab. Nagel stellte klar, dass der EZB-Rat fortan von Sitzung zu Sitzung entscheiden werde und Spekulationen über konkrete Folgemaßnahmen zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht seien.
Politischer Austausch und historischer Rahmen
Neben den reinen Zinsberatungen standen die konjunkturellen Perspektiven Deutschlands und der Währungsunion sowie die globalen Sicherheitsrisiken im Zentrum der Gespräche. In diesem Kontext trat das Gremium auch mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzler Friedrich Merz zu einem Austausch zusammen. Die Begegnung besaß zudem Symbolkraft: Es handelte sich um die erste auswärtige EZB-Ratssitzung bei der Deutschen Bundesbank seit dem Jahr 2011, was die Relevanz geschlossener europäischer Handlungsoptionen in Krisenzeiten unterstrich.
Bauzinsen steigen (ungebremst?)
An den Anleihemärkten bleibt derweil der Inflationsdruck spürbar: Steigende Ölpreise haben die Renditen erneut belastet, wobei die zehnjährige deutsche Bundesanleihe mit 3,35 % ein neues Mehrjahreshoch erreichte. Diese Entwicklung schlägt spürbar auf die Soll-Zinsen in allen Kreditbereichen. Sowohl die Bauzinsen als auch Konsumentenkredite sind sprunghaft auf Mehrjahreshochs gestiegen. Das ist eine Folge der im letzten Artikel genannten Zinsangst und wird sicher die Konjunktur nachhaltig belasten.
Drum prüfe, wer sich l a n g e bindet …
Angesichts der aktuellen Zinslandschaft und der unsicheren Entwicklung an den Anleihemärkten ist es für unsere Mandanten weiterhin entscheidend, Finanzprodukte intensiv zu vergleichen. Neben den geldpolitischen Entscheidungen der EZB beeinflussen auch die Notierungen von Anleihen maßgeblich die Entwicklung der Bauzinsen. Eine detaillierte Marktanalyse und individuelle Beratung bleiben unerlässlich, um von den aktuellen Konditionen optimal zu profitieren und sich gegen potenzielle zukünftige Volatilität abzusichern.
Quellen: ImmoScout24, ProHyp, Reuters, Crest-Finanz, Bundesbank, FAZ












